Mechaniker-Azubine: Jeder Tag ist „Girls´ Day“ - Textmechanikerin Elisabeth StrassertTextmechanikerin Elisabeth Strassert | Technik-Texte & mehrTextmechanikerin Elisabeth Strassert
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Mechaniker-Azubine: Jeder Tag ist „Girls´ Day“

Im Motorraum eines BMW 525e: Textmechanikerin Elisabeth Strassert beim Schrauben statt Schreiben

Mechaniker-Azubine: Jeder Tag ist „Girls´ Day“

Ausnahmsweise geht´s nicht um den Modebegriff „Gendering“. Trotzdem kann eine Frau, die Automechanikerin lernt, nicht umhin, auch in der Werkstatt eine Frau zu bleiben 😉 Warum Männer wunderbare Kollegen sein können, warum frau sich nie vor einem Auto hinknien darf – und was man in einem Männerberuf sonst noch so wissen sollte, als Frau.

Vor allem international agierende Firmen schreiben sich gerne einmal im Jahr den „Girls´ Day“ auf die Fahnen: Es kommt einfach gut an, wenn hübsche junge Mädels in Arbeitsklamotten etwas feilen und schrauben, sogar die Robotersteuerung dürfen sie unter Aufsicht bedienen. Auch die Presse ist von solchen Aktionen meist schwer begeistert und portraitiert diese in großen Artikeln und Fotostrecken.

Autowerkstätten, Maschinenbaubetriebe, Automatisierungsspezialisten – die Liste der technischen Fachbetriebe ist auch bei uns im Berchtesgadener Land und im benachbarten Salzburger Land so lang, dass die Auswahl grenzenlos scheint. Doch nicht immer sind Frauen willkommen – außerhalb eines abgegrenzten Events, im Alltag. Wenn jeder Tag Girls´ Day ist und das Technik-Interesse zum Beruf wird, zeigen sich Stärken und Schwächen von Kollegen, aber auch von Arbeitgebern besonders deutlich. Und damit ist nicht gemeint, ob es eine zweite Toilette in der Werkstatt gibt, auf der „Damen“ steht.

Denn sie weiß, was sie tut – oder?

Eine kleine Anekdote aus dem Leben einer Automechanikerin mit Abschlussnote „Sehr gut“: Initiativbewerbung in einem Autohaus bei Landshut. Mein damaliger Freund und ich – beide sind wir Mitte 20 – werden beim Chef vorstellig und ich erkläre ihm, dass ich hier bin, um nach einer freien Stelle in der Werkstatt zu fragen.

Der Chef lässt mich zunächst reden und nickt bedächtig, blickt immer wieder zu meinem Freund hinüber, der etwas abseits steht, und fragt schließlich: „Was hat er denn gelernt?“ – „Wer?“, frage ich irritiert zurück. – „Naja, er?!“ Mit dem Kopf deutet er in Richtung meines Freundes. Ach so. Spontan prusten wir lachend los – dann antworte ich freundlich: „Was er gelernt hat, ist Lastwagenfahren. Ich bin die Automechanikerin.“ 😀 Damit hat sich das Gespräch schlagartig erledigt, denn dass ich für meinen Freund spreche, wäre für den Chef vollkommen normal gewesen, nicht aber, dass ich mich anschicke, selber in der Werkstatt arbeiten zu wollen. Gute Noten hin oder her. Und warum?

„Das gibt nur Probleme“, stellt er kategorisch fest – ich kontere mit meiner eigenen, sehr positiven Erfahrung aus der Lehrwerkstatt und dem guten Betriebsklima „trotz“ Frau – nichts zu machen, er bleibt stur. Freilich ohne aus Erfahrung zu wissen, wovon er redet. Als Frau möchte ich ja nicht eine Art „besserer Mann“ in der Werkstatt sein, sondern nur meine Arbeit machen, flott und gewissenhaft. Und die Frau in der Werkstatt bringt auch Vorteile: Vor allem die weibliche Kundschaft freut sich über das Gespräch von Frau zu Frau und die genauen, verständlichen Erklärungen bezüglich der erledigten Reparaturen 😉

„Nie vor einem Auto hinknien!“

Zurück zur Ausbildung: Jeder Anfang ist schwer, und wichtige Regeln, die das Arbeiten erleichtern und helfen, Gefahrensituationen zu vermeiden, lernt man vor allem am Anfang jeden Tag. Beim Luftprüfen knie ich mich neben einen Autoreifen und fülle die fehlenden 0,3 bar auf. Da grollt mich mein Ausbilder an: „Lieserl, du derfst di nie vor am Auto hinknien!“ Ich blicke leicht irritiert auf. Ein breites Grinsen steht in seinem Gesicht, und er fügt hinzu „…nur vor einem Mann!“ Freilich müssen wir jetzt beide herzlich lachen 😀

Und wer glaubt, in der Werkstatt unter männlichen Kollegen gebe es keine Diskussionen über Mode, täuscht sich gewaltig. Mehr als einmal höre ich die Frage: „Was hast du denn heut schon wieder an?!“ Mein Ausbilder dreht die Augen zum Himmel, aber der Schalk umspielt seine Augen. „Naja, meine Latzhose, wie immer“, entgegne ich, schon bereit für eine anzügliche Bemerkung. „Und wo san de Strapse?“ lacht mein Kollege, und ich kann nicht anders, als mitzulachen.

Männliche Kollegen: Mit Gaudi und Respekt

Das Eis ist gebrochen – wahrscheinlich war es das aber schon vorher. Denn dass man vor mir keine Angst haben muss, wenn ich einen Hammer in die Hand nehme, war (wirklich!) ein Hauptargument für meine Anstellung nach der Probewoche. Denn eines ist Fakt: Den Respekt der männlichen Kollegen muss man sich verdienen – und das ist nicht immer einfach. Denn für so manchen Mann ist eine Frau in der Werkstatt schlicht das No-Go. Als ich schon Gesellin war und in einer neuen Werkstatt mit meinen guten Noten sofort angestellt wurde, hatte ein russlanddeutscher Kollege fast ein Jahr lang mit der Tatsache zu kämpfen, dass ich als Frau in die Werkstatt kam. Dennoch war er nie unfreundlich zu mir, nur sehr reserviert.

Er selbst, als stiller, hoch professionell und exakt arbeitender Mechaniker, ließ sich letzten Endes von meiner beständigen und unaufgeregten Art überzeugen und es ergab sich ein sehr angenehmes, auf gegenseitigem Respekt und wenigen Worten gegründetes Kollegenverhältnis. Dabei zeigt sich ein wesentlicher Pluspunkt, wenn man das Glück hat, mit Männern zusammenzuarbeiten: Die meisten sind geradeheraus, direkt, ehrlich und man weiß fast immer, woran man ist – auch als Frau. Dass man auf gewisse Scherze unempfindlich reagiert, gehört dazu.

Nicht nur Frauen brauchen Hilfe

Wer als Frau nichts einstecken kann – und das ist jetzt nicht anzüglich gemeint 😉 – der sollte der Werkstatt fernbleiben. Zwar gibt es vermutlich auch Firmen, in denen im Gender-Bereich alles politisch korrekt abläuft, jede Bemerkung oberhalb der Gürtellinie aufhört und auch sonst nur einmal im Jahr zum Lachen in den Keller gegangen wird. Jedoch: Wer möchte in solch einer sterilen Atmosphäre arbeiten? Wenn die Grenzen klar sind, lockert ein bisschen Schäkern den Arbeitsalltag enorm auf. Schließlich ist die Arbeit oft anstrengend, und auch die beste Mechanikerin braucht ab und zu Unterstützung vom Kollegen, wenn es etwa darum geht, das Getriebe nach dem Kupplungswechsel wieder ins Auto zu heben.

Und ja, auch Männer brauchen mal Hilfe. Nicht nur beim Gegenhalten, wenn Schrauben festgezogen werden müssen, die an einer Riemenscheibe sitzen, die sich sonst mitdrehen würde. Nein, sondern auch, wenn es darum geht, an schwierig zugänglichen Stellen mit Gefühl eine Schraube oder Mutter anbeißen zu lassen. Üblicherweise hieß es dann: „Lieserl, ich brauch mal deine Chirurgen-Pratzerl!“ 😀

„Ist das zu nicht schwer für dich?“

„Weiß ich noch nicht, muss ich schauen.“ Wer nicht bereit ist auszuloten, welche Arbeit mit dem eigenen Körper machbar ist, sollte sich ebenfalls gut überlegen, ob eine Auto- oder Maschinenbauwerkstatt der richtige Ort ist. Freilich gibt es einen Haufen Tricks, mit denen Schweres sich leichter heben lässt, und natürlich auch Hilfsmittel wie hydraulische Getriebeheber oder Motorkräne, vom Schlagschrauber ganz zu schweigen. Trotzdem kann es passieren, dass der Körper Grenzen aufzeigt.

Eventuell fehlende Kraft mag gar nicht das Problem sein, aber zarte Handgelenke durchaus. Dabei müssen übrigens auch junge Männer aufpassen, wenn sie als zierlich gebaute 14-Jährige in der Werkstatt zu lernen beginnen. Nur zu gerne gebrauchen die älteren Gesellen den Lehrling als „Michelin-Männchen“ und lassen ihn gerade zu Stoßzeiten pausenlos Reifen montieren und durch die Gegend tragen. Deshalb ist es eine gute Idee, sich vor dem Unterzeichnen des Ausbildungsvertrages die ganze Werkstatt und ihre Lagermöglichkeiten zeigen zu lassen. Hunderte Kompletträder im Keller und kein Lastenaufzug? Ein ganz schlechtes Zeichen. Denn wer wird denn die Räder zu dutzenden hoch und runter tragen, wenn nach dem ersten Schneefall wieder mal der Teufel los ist, weil alle gleichzeitig ihre Winterreifen brauchen? 😛 Richtig: Der Lehrling im ersten Lehrjahr, egal, ob männlich oder weiblich, schmächtig oder mächtig gebaut.

Manchmal sind sie keine Frauenversteher 

„Lieschen, ich versteh´ sie nicht“, seufzt mein junger kroatischer Kollege. „Was meint sie denn, wenn sie das sagt und wenn sie so ist?“ Er schaut mich breit grinsend an, aber aus seinen Augen spricht Verzweiflung. „Tut mir so leid“, entgegne ich. „Ich kann dir das nicht erklären. Ich versteh die Frauen meistens auch nicht.“ Auch Zwischenmenschliches hat seinen Platz im guten Kollegenverhältnis, Gespräche über Beziehungen und ihre Probleme ebenso, vor allem mein junger Kollege hat mich öfter um Unterstützung gebeten. Leider hätte ihm mein Rat diesbezüglich auch nicht viel geholfen, denn kurz darauf lebt er nicht mehr. Mit dem Auto hat er sich regelrecht um einen Baum herumgewickelt. Vermutlich ist er mal wieder gefahren wie ein Verrückter – aus reiner Lebensfreude, aus purem Übermut, denn so war er. Es ist ein Phänomen, das häufig zu beobachten ist: Warum glauben ausgerechnet Mechaniker oft, die Unzerstörbarkeit beim Autofahren gepachtet zu haben?

Vielleicht liegt es daran, dass sie ihr Fahrzeug fast zu gut kennen. „Passt scho, die Reifen san zwar fast glatt, aber oamoi gengans scho no.“ 😛 Auf solche leider oft gehörten flapsigen Sprüche lässt sich, um vielleicht ein wenig Bewusstheit einzubringen, eigentlich nur der Aufkleber zitieren: „Rasen Sie ruhig. Wir schneiden Sie raus. Ihre Feuerwehr.“

Von Frauen – für Frauen

Schließlich gibt es noch jene Frauen, die ihr Auto ganz ohne männliche Beteiligung reparieren lassen wollen – und wie alles im Leben hat auch das zwei Seiten. Inzwischen ist die „pinke“ Autowerkstatt kein Novum mehr – selten ist sie aber nach wie vor. Die Rede ist von Betrieben, die von Frauen geführt werden, und in denen nur Frauen arbeiten. Und die außerdem oftmals nur Frauen bedienen. Neben den „chauvinistischen“ Werkstätten, in denen dem Klischee zufolge Frauen für dumm verkauft werden und viel zu hohe Preise zahlen, wollen diese Ladywerkstätten den Gegenpol setzen. Sie bieten außerdem allerlei frauenspezifische Services während der Wartezeit aufs Auto an.

Doch was ist, wenn ich keine Maniküre möchte und Nagellack hässlich finde? 😛 Dann bringe ich als Frau und ehemalige Mechanikerin für die Arbeiten, die ich wegen fehlender Hebebühne nicht selber machen kann, mein Auto einfach in die örtliche Werkstatt meines Vertrauens – in der mein ehemaliger Lehrling als Geselle arbeitet.

Übrigens gehöre ich damit eindeutig zu den 80 Prozent Frauen, für die „Vertrauenswürdigkeit“ laut einer Umfrage des GfK-Vereins für Marktforschung das wichtigste Kriterium bei der Wahl ihrer Werkstatt ist. Schön, wenigstens in diesem Punkt perfekt „gender-konform“ zu sein 😉



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